Wenn du eine Reise in den Norden Spaniens planst – sei es nach Gijón, Oviedo oder irgendwo an der Küste Asturiens –, dann nimm dir kurz Zeit, um diesen Artikel zu lesen.
Ich lebe seit Jahren in Deutschland, aber ich bin in Nordspanien aufgewachsen und kehre regelmäßig zurück. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, wie viele kleine Unterschiede es im Alltag gibt, die man als Besucher nicht sofort auf dem Schirm hat – aber die einem das Leben vor Ort deutlich leichter (oder manchmal auch schwerer 😄) machen können.
Ich habe dir hier mit viel Liebe eine Liste von typisch spanischen Gewohnheiten zusammengestellt – aus erster Hand, mit einem Augenzwinkern und ein paar nützlichen Tipps für deinen nächsten Aufenthalt.
Ob Ladenöffnungszeiten, Trinkgeld, Essenszeiten oder wie man an der Bar bezahlt – hier erfährst du alles, was du wissen solltest, damit du dich nicht wie ein Tourist fühlst, sondern fast wie ein Einheimischer.
Contents
- 1 🕒 Öffnungszeiten in Nordspanien – Siesta ist kein Mythos
- 2 🍽️ Essenszeiten: eine spanische Herausforderung
- 3 💶 Trinkgeld in Spanien – keine Pflicht, aber nett
- 4 🔊 Lautstärke? Ganz normal in Spanien
- 5 💳 Zusammen oder getrennt? In Spanien ganz klar: zusammen!
- 6 🍻 In Spanien zahlt man die Runde – nicht das eigene Glas
- 7 🍢 Tapas oder Pinchos? Im Norden Spaniens bekommst du Pinchos
- 8 Schokolade zum Löffeln, nicht zum Trinken
- 9 Im August macht Spanien Pause
- 10 Weihnachtslotterie… schon im Sommer!
- 11 Kreisverkehre in Spanien – ein kleines Chaos
- 12 🥤 Im Norden bestellt man keine Fanta… sondern Kas!
- 13 🍻 Im Norden Spaniens trinkt man kein San Miguel
🕒 Öffnungszeiten in Nordspanien – Siesta ist kein Mythos
In Nordspanien ticken die Uhren etwas anders – im wahrsten Sinne. Zwischen 14:00 und 17:00 Uhr macht das halbe Land eine Pause. Viele kleine Läden, Apotheken oder Friseure schließen einfach mal für zwei, manchmal drei Stunden.

Warum? Weil man sich in Spanien Zeit fürs Mittagessen nimmt – richtig Zeit. Und ja, manchmal gehört auch ein kleines Nickerchen dazu. In vielen Dörfern merkt man es besonders: Erst ab 17:00 Uhr erwacht alles wieder zum Leben, dann öffnen die Geschäfte erneut und bleiben oft bis 20:30 oder 21:00 Uhr offen.
Natürlich gibt es auch große Supermärkte oder Ketten, die durchgehend geöffnet sind. Aber sobald du dich abseits der Touristenzentren bewegst, ist diese «Siesta-Zeit» ganz normal – und ehrlich gesagt: auch irgendwie schön.
👉 Mein Tipp: Plane deinen Einkauf vormittags oder ab dem späten Nachmittag. Und wenn alles geschlossen ist – mach’s wie wir: hol dir einen Café con leche und genieße den Moment.
🍽️ Essenszeiten: eine spanische Herausforderung
Was viele Besucher im Norden Spaniens anfangs wirklich nervt, sind unsere Essenszeiten. Hand aufs Herz: Mittagessen um 15:00 Uhr und Abendessen um 22:00 Uhr? Das klingt für viele erstmal verrückt – und irgendwie auch ungesund.

Und klar, wenn du morgens um 6 Uhr gefrühstückt und um 12 Uhr zu Mittag gegessen hast, willst du abends um 18:00 Uhr einfach nur noch was Warmes und dann ins Bett. Aber hier? Da öffnet das Restaurant vielleicht gerade mal die Küche – wenn überhaupt.
Spanien ist eben anders. Selbst am Wochenende oder in den Ferien wird oft erst um 11 oder 12 Uhr gefrühstückt, wenn der Rest Europas schon mit dem Mittagessen durch ist.
Aber keine Sorge: In den touristischeren Orten im Norden, wie z. B. an der Küste von Asturien oder in Kantabrien, haben sich viele Restaurants inzwischen ein wenig angepasst und servieren schon früher. Ganz ehrlich: uns fällt das auch manchmal schwer – aber so sind wir eben. 😉
👉 Mein Tipp: Wenn du früher essen willst, such dir ein Restaurant mit „Menú del Día“ zur Mittagszeit – oder gönn dir gegen 19:00 Uhr eine Tapa mit einem Sidra. Das hilft dir, den spanischen Rhythmus etwas entspannter zu erleben.
💶 Trinkgeld in Spanien – keine Pflicht, aber nett
Wenn du aus Deutschland kommst, bist du wahrscheinlich daran gewöhnt, immer 10 % Trinkgeld zu geben. In Spanien – und vor allem im Norden – ist das anders.

Trinkgeld ist kein Muss. Wirklich nicht. Niemand wird dich komisch anschauen, wenn du einfach bezahlst, was auf der Rechnung steht.
Aber natürlich: Wenn dir der Service gefallen hat oder das Essen besonders gut war, kannst du ein paar Münzen dalassen – meistens sind das ein oder zwei Euro. In Bars lässt man manchmal einfach das Wechselgeld auf dem Teller liegen, mehr ist nicht nötig.
👉 Mein Tipp: Gib Trinkgeld, wenn du wirklich zufrieden bist – aber fühl dich nicht verpflichtet. Hier ist es eine Geste der Wertschätzung, kein Automatismus.
🔊 Lautstärke? Ganz normal in Spanien
Wenn du in Nordspanien zum ersten Mal ein Café oder eine Sidrería betrittst, wirst du vielleicht denken: „Ist das hier ein Fußballspiel oder ein Familientreffen mit 30 Leuten?“ Keine Sorge – alles normal.
In spanischen Bars und Restaurants ist es laut. Nicht, weil wir unhöflich sind – sondern weil wir gern reden, laut lachen, uns quer über den Tisch zurufen und einfach das Leben feiern. Selbst wenn nur fünf Tische besetzt sind, klingt es schnell wie ein ganzer Saal voller Menschen.
👉 In Sidrerías (typisch in Asturien) kommt noch das Einschenken von Sidra dazu – mit Schwung und Plopp! Da wird es nochmal lebhafter.
Wenn du also einen ruhigen Abend zu zweit planst, frag am besten nach einem Tisch etwas abseits – oder lass dich einfach mitreißen. Der Lärm gehört bei uns zum guten Ton 😉
💳 Zusammen oder getrennt? In Spanien ganz klar: zusammen!
Als ich nach Deutschland kam, hat mich eine Sache sofort überrascht – und nicht nur mich. Jeder spanische Freund oder Verwandte, der mich hier besucht, reagiert gleich erstaunt: „Wie bitte? Man zahlt getrennt – und der Kellner läuft von Person zu Person mit einer Geldtasche?“ 😄

In Spanien läuft das ganz anders. Wenn du mit Freunden essen gehst, dann wird immer zusammen gezahlt. Du sagst einfach „La cuenta, por favor“ – und der Kellner bringt eine kleine Schale mit dem Gesamtbetrag. Ohne Aufteilung, ohne Diskussion.
Was machen wir dann? Ganz einfach: Wir rechnen schnell aus, was jeder ungefähr hatte, und zahlen in runden Beträgen. Wenn ich z. B. 14,50 € zahlen müsste, lege ich 15 oder 16 € hin. Den Rest lassen wir als Trinkgeld – direkt auf dem Teller. Wenn der Kellner das Wechselgeld bringt, lassen wir einfach den gewünschten Betrag in der Schale liegen und gehen. Ganz diskret, ohne Worte.
👉 Ganz wichtig: In Spanien wird nicht einzeln bezahlt. Wenn du anfängst zu sagen „Ich hatte nur das Wasser und die Tortilla…“, dann fängt beim Kellner der Kopf an zu rauchen – ehrlich! 😅
Was wir oft machen – besonders in Gruppen – ist einfach einen Bote (gemeinsamen Topf)zu Beginn: Jeder wirft 20 oder 30 Euro rein, und davon zahlen wir das Essen, die Getränke – und danach auch die nächste Runde in der Bar. Praktisch, schnell und typisch spanisch.
🍻 In Spanien zahlt man die Runde – nicht das eigene Glas
Wenn du in Nordspanien mit Freunden etwas trinken gehst, wirst du schnell merken: Niemand geht zur Bar und bestellt „nur für sich“. Das wäre bei uns eher ungewöhnlich.
Was wir stattdessen machen? Wir zahlen in Runden. Einer geht zur Bar, holt Getränke für alle – und zahlt alles. Beim nächsten Mal steht jemand anderes auf und übernimmt die Runde. Ganz unkompliziert.
Das Schöne daran? Wenn ein Freund mal knapp bei Kasse ist, trinkt er trotzdem mit. Es sagt keiner was, es wird nicht gezählt – aber beim nächsten Mal bringt er dafür eben zwei Runden. So funktioniert das bei uns, und es fühlt sich viel entspannter an.
Und wenn du mal früher gehen musst, zum Beispiel bei einer gemütlichen Sidra-Runde (nach zehn Flaschen 😄), dann erwartet niemand, dass du alles bezahlst. Lass einfach ein paar Euro auf dem Tisch – ungefähr für das, was du getrunken hast, vielleicht ein bisschen mehr – und alles ist gut. Keiner zählt mit, aber jeder merkt, dass du fair bist.
🍢 Tapas oder Pinchos? Im Norden Spaniens bekommst du Pinchos
In Spanien spricht man überall von Tapas – aber nicht überall sind es Tapas. In Asturien zum Beispiel, wo ich herkomme, geht es eher um Pinchos. Der Unterschied ist klein, aber spürbar.

Tapas sind oft etwas größer und werden meist direkt mit dem Getränk gebracht oder extra bestellt. Pinchos dagegen sind kleiner, aber kommen öfter. Wenn du hier in eine Bar gehst und dir ein Bier oder einen Sidra bestellst, dann ist es ganz normal, dass der Kellner mehrmals mit einem Tablett voller kleiner Happen durchgeht – du bekommst bei fast jedem Durchgang etwas angeboten.
Das Schöne daran: Du musst nichts bestellen, es kommt zu dir. Und meistens kannst du dir einfach einen Pincho nehmen – gratis, versteht sich.
👉 Ein kleiner Trick von uns Einheimischen: Wenn du mit jemandem unterwegs bist, der keinen Hunger hat, sag ihm vorher, er soll trotzdem einen Pincho nehmen. Warum? Weil du ihn dann essen kannst, sobald der Kellner weg ist 😄. Und manchmal merkt der Kellner genau das – dass dein Freund dir seinen Pincho gegeben hat – und vielleicht sagt er mit einem Grinsen was Lustiges und bringt dir sogar noch einen extra.
Schokolade zum Löffeln, nicht zum Trinken
Wenn du in Spanien einen „heißen Kakao“ bestellst, mach dich auf eine Überraschung gefasst: Hier ist Schokolade nicht zum Trinken da – sie ist zum Eintunken. Der spanische „Chocolate“ ist so dick, dass der Löffel fast senkrecht stehen bleibt. Kein Witz!

Man isst ihn nicht allein – er kommt zusammen mit Churros oder Porras (die größere Version). Das Beste daran? Du tunkst den Churro in die dicke, heiße Schokolade, lässt ihn kurz eintauchen, nimmst einen Bissen – und plötzlich macht alles Sinn.
Also: Nicht gleich trinken wollen, sondern erst eintunken. Das ist in Spanien Gesetz. Na gut, fast.
Im August macht Spanien Pause
Wenn du im August nach Spanien reist, wundere dich nicht: das halbe Land scheint geschlossen zu sein. Warum? Ganz einfach: August ist der Urlaubsmonat schlechthin. Während in Deutschland der Urlaub schön verteilt wird, nehmen in Spanien gefühlt alle gleichzeitig frei – vor allem in kleineren Städten und Dörfern.
Keine Sorge: Bars, Restaurants, Hotels und alles, was mit Tourismus zu tun hat, läuft ganz normal weiter – teilweise sogar auf Hochtouren. Aber wenn du versuchst, im August bei einer Behörde anzurufen, eine Fahrschule, eine kleine Werkstatt oder einen Steuerberater zu erreichen… viel Glück!
Auch viele kleine Familienunternehmen machen einfach mal dicht – und zwar den ganzen Monat. Auf dem Schild an der Tür steht dann meist nur „Cerrado por vacaciones“ – geschlossen wegen Urlaub. Fertig.
Wenn du also etwas Wichtiges in Spanien erledigen willst – besser nicht im August.
Weihnachtslotterie… schon im Sommer!
Eine Sache, die viele überrascht, wenn sie Spanien im Sommer besuchen: Schon im Juli oder August kannst du Lose für die spanische Weihnachtslotterie kaufen. Ja, du hast richtig gelesen – bei über 30 Grad in der Sonne und mit Sand zwischen den Zehen denken wir hier schon an den 22. Dezember.
Das Ganze ist fast schon ein Ritual: Manche kaufen jedes Jahr dieselbe Nummer, andere greifen im Urlaub einfach zu einem Los in der Hoffnung, dass der Urlaubsort Glück bringt. Und es gibt Läden oder Bars mit einem Schild an der Tür: „Lotería de Navidad – hier erhältlich“.
Wundert euch also nicht – in Spanien sucht man das Glück mit Vorlauf!
Kreisverkehre in Spanien – ein kleines Chaos
Ich sag’s dir ganz ehrlich: Selbst die Spanier verstehen oft ihre eigenen Kreisverkehre nicht. Es gibt offizielle Regeln, ja, aber in der Praxis sieht das Ganze oft… kreativ aus.
Mein persönlicher Tipp – vor allem, wenn du als Tourist unterwegs bist und keinen Stress willst:
Bleib einfach im äußeren Fahrstreifen. So machst du am wenigsten falsch, es ist sicherer, und du musst nicht plötzlich die Spur wechseln oder jemanden schneiden.
In Spanien gilt oft: Augen auf, ruhig bleiben und lieber eine Runde zu viel drehen als zu wenig. 😄
🥤 Im Norden bestellt man keine Fanta… sondern Kas!
Etwas, das mir im Norden Spaniens sofort aufgefallen ist: Hier bestellt man keine Fanta, sondern Kas – entweder Zitrone oder Orange. Und weißt du was? Das hat sogar eine Verbindung zu Deutschland.

Kas wurde 1956 im baskischen Vitoria erfunden – von den Brüdern José María und Luis Knörr Elorza, deren Vater ursprünglich aus Deutschland stammte. Die beiden mischten ihre Limonade mit Orangensaftkonzentrat – und erfanden so das erste Orangen-Erfrischungsgetränk mit Kohlensäure in Spanien. Das war übrigens ganze fünf Jahre, bevor Fanta überhaupt nach Spanien kam.
🍻 Im Norden Spaniens trinkt man kein San Miguel
Hier oben im Norden sind wir nicht so für San Miguel zu haben. Bei uns bestellt man eher ein Estrella Galicia oder ein Mahou – das sind die Biere, die du in den meisten Bars findest. Ich persönlich bevorzuge Estrella Galicia – hat einfach mehr Geschmack und wirkt irgendwie ehrlicher gebraut. Wenn du also in Nordspanien unterwegs bist, weißt du jetzt, welches Bier du dir am besten bestellst. 😉
Ich hoffe, dir hat dieser kleine Einblick in unsere Gewohnheiten im Norden Spaniens gefallen – vielleicht hast du ja sogar die ein oder andere Eigenart wiedererkannt oder schmunzeln müssen.
Wenn du Fragen hast oder dir etwas unklar ist, schreib mir einfach einen Kommentar – ich freue mich, dir weiterzuhelfen!
¡Hasta pronto und viel Spaß im Norden Spaniens!